Imkerverein Creußen und Umgebung gemeinnütziger e.V.
 Imkerverein Creußenund Umgebung gemeinnütziger e.V.

Kurze Geschichte der Imkerei in Oberfranken

Die Imkerei (oder alt „Zeidlerei“, von zeideln = Honigwaben ausschneiden) in Oberfranken kann auf eine lange Tradition verweisen (Schmidt, 2006). So finden sich für das Jahr 1398 Hinweise auf Zeidler in der Fränkischen Schweiz, die bereits 128 Bienenvölker betreuten. Im Fichtelgebirge rund um Warmensteinach, in der Fränkischen Schweiz sowie in der Oberpfalz bis hin nach Waldsassen ist insbesondere die Waldbienenwirtschaft bereits seit dem Mittelalter bekannt. Auch finden wir in zahlreichen Chroniken der Klöster in Oberfranken bis in das 8. nachchristliche Jahrhundert Hinweise auf das Zeidelwesen, zum Beispiel durch die Zinspflichtigkeit der „Zeidelweiden“. Speziell für Creußen findet sich im Landbuch A des Amtes Bayreuth für das Jahr 1386-1392 (Veh 1971) der Hinweis, dass zu Haag bei Tiefenthal eine Zeidelweide besteht und mit einer Honigbeute besetzt ist.

Während die Zeidelwirtschaft in ausgehenden Mittelalter und der beginnenden Neuzeit vorwiegend in Form von Genossenschaften organisiert war, die ihrem Grundherrn zur Lieferung von Wachs und Honig, später dann zu Zinszahlungen verpflichtet waren, kam mit dem Neuaufleben der Imkerei in der Mitte des 19. Jahrhunderts die Organisation der nun mit Imker bezeichneten Bienenwirtschafter in Vereinen und Verbänden. So gründete sich bereits im Jahr 1848 ein Imkerverein in Wunsiedel, 1852 in Coburg, 1863 in Hof und 1879 in Bayreuth.

Die Gründung des Imkervereins Creußen u. U. reicht zurück in das Jahr 1885. Fünf Jahre nach der Gründung des „Deutschen bienenwirtschaflichen Zentralvereins“ wurde der Imkerverein, zunächst noch als gemeinsamer Verein der Städte Creußen und Pegnitz, gegründet. Die Mitglieder des Vereins hatten in der Imkerei ein Betätigungsfeld gefunden, mit dem nicht nur Honig und Wachs gewonnen werden konnte, sondern das auch Freude und Erholung durch die Beschäftigung mit einer faszinierenden Lebensform, dem „Bien“ oder Bienenvolk, versprach. Daher wurde die Imkerei in dieser Zeit nicht mehr nur als Nebengewerbe in der Landwirtschaft betrieben, sondern fand neue Freunde auch aus den Kreisen des Bürgertums und der „Städter“.

Auf dem Land in Oberfranken war die Imkerei jedoch nach wie vor ein wichtiger Bestandteil der Existenzsicherung und des Klein- bzw. Nebengewerbes. So war die Mitglieder-Struktur des Imkervereins Creußen geprägt durch Imkerinnen und Imker, die dieses Handwerk im Nebenerwerb betrieben. Die Mitgliederzahl war für lange Zeit auf die aktiven Imker in und um die Städte Creußen und Pegnitz beschränkt, mithin eine überschaubare Zahl von bis zu 30 Mitgliedern. Leider ist uns nichts bekannt aus der Gründungszeit bis hin in die 50ziger Jahre des 20. Jahrhunderts. Erst über die letzten 60 Jahre liefern Zeitzeugen wie Johann Walter † (Creußen), ehemaliger 1.Vorstand, Georg Freiberger (Boden), ehemaliger Kassier, oder Fritz Lechermann, ehemaliger Vorstand aus Hörlasreuth, Zeugnis über die Imkerei in der zweiten Hälfte des 20.Jahrhunderts. So gab es noch bis in die späten 80er Jahre in jedem Dorf Imkerinnen und Imker, die die Imkerei entweder im Nebenerwerb oder – immer häufiger –als Hobby mit dem Ziel der Bienenzucht sowie der Produktion und Vermarktung von Honig, Wachs und Wachsprodukten betrieben. Im Erinnern unserer Altvorderen war diese Zeit durch hohe Erträge an Wachs und Honig geprägt und die imkerliche Tätigkeit nicht so sehr belastet durch die Bekämpfung von Krankheiten wie der Faulbrut oder Parasiten wie der Varroa Milbe. Mit der starken Verbreitung der Varroa Milbe und den dadurch verbundenen hohen Völkerverlusten, aber auch mit dem gesamtgesellschaftlichen Wandel in den 90er Jahren erlebte die Imkerei einen Niedergang, der letztendlich bis in das 21 Jahrhundert andauerte.

Erst in den letzten Jahren verzeichnet die Imkerei, allerdings unter geänderten Vorzeichen und mit anderen Zielen, eine „Renaissance“. Ein sichtbares Beispiel ist dabei der Imkerverein Creußen und Umgebung e. V., der in den letzten fünf Jahren seine Mitgliederzahl von ehemals 30 auf mittlerweile über 100 mehr als verdreifachen konnte. Ursächlich hierfür sind dabei auch die neue Wahrnehmung der Verantwortung für die Natur und die Möglichkeiten, mit der Imkerei einen Beitrag zu einem widerstandsfähigen und ertragreichen Naturhaushalt leisten zu können.

 

Univ.-Prof. Dr. Kai U. Totsche, IV Creußen

 

Literatur

Tautz, J. 2011: Phänomen Honigbiene. Nachdruck 1te Auflage, Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg.

Veh, Frieda Maria (1971): Mittelalterliche Gewerbe im Zentralstock des Fichtelgebirges: Die einstige Waldbienenwirtschaft in Oberfranken und des Klosters Waldsassen. Verlag Ellwanger, Bayreuth.

Schmidt, Gustav (2006): Der Bien und die Bine in Gegenwart und Vergangenheit. In: Heimatbeilage zum Oberfränkischen Schulanzeiger, Nr. 327. Hrsg: Regierung von Oberfranken. Bayreuth.

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